Der Scheibbser Dreikönigsritt

Am 6. Jänner ziehen die Heiligen Drei Könige auf Ihren Pferden von der Kapuzinerkirche durch die Altstadt zur wertvollen mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche.

Entstehungsgeschichte des Scheibbser Dreikönigritts

Nach ihrer Rückkehr aus dem 2. Weltkrieg, merkten die Brüder Wilhelm und Josef Beer aus Scheibbs, dass zu dieser Zeit in ihrer Heimat nicht viel los war. So wälzten sie im Sommer 1946 beim Holzschneiden in ihrem Garten, Pläne zur kulturellen Belebung der Stadt. Aus den vielen Überlegungen und Ideen entstanden zwei konkrete Projekte: Die Gründung von Theatergruppen (jeder Bruder gründete seine eigene) und der Dreikönigsritt.

In wochenlangen Diskussionen wurde von den beiden der Ablauf im Detail erarbeitet, gewissenhaft vorbereitet und dann auch im Jahr 1947 erstmals selbst organisiert. Bis auf kleine Änderungen wurde das Procedere bis heute beibehalten.

Ein Freund der Brüder – Herr Alois Krenn sen. – wurde eingeladen mitzureiten und komplettierte das Trio. Einige Jahre später beendeten die Initiatoren und „Erfinder“ dieses Events ihre aktive Mitarbeit und Alois Krenn übernahm mit seinen Brüdern Hans und August die Fortführung. Im Laufe der Jahre wurde der Dreikönigsritt immer bekannter und Leute kamen von weit her um dieses Ereignis mitzuerleben. Mittlerweile führen die Söhne Alois, Andreas und Klemens Krenn die langjährige Tradition fort.

Der Ablauf

Der Dreikönigszug besteht heute aus einem Sternträger, zwei Fanfarenbläsern, Gabenträgern, den drei Königen, Pferdeführern (die waren beim ersten Ritt nicht dabei) sowie Hirten und führt von der Klosterkirche durch die Stadt zur mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche. An fünf „Stationen“ stoppt der Zug und nach Fanfarenklängen singen die Könige das Lied „Mia san de drei König aus dem Morgenland“. Bei der Stadtpfarrkirche angekommen ziehen die Könige und ihre Gefolgschaft in die Kirche ein und knien bei der Krippe nieder. Dort wird von ihnen das Lied „Schlaf wohl….“ gesungen.

Die Geschichte des Dreikönigliedes „Mia san de drei König….“

Bei den Vorbereitungen zum Dreikönigsritt stellte sich den Brüdern Beer natürlich die Frage, welches Lied die Könige singen sollten. Dreikönigslieder gibt es ja viele, allerdings wollten die Initiatoren den Scheibbsern etwas Neues, in der Region bisher weitgehend Unbekanntes darbieten. Sie erinnerten sich an ein Lied, welches sie in ihrer Volksschulzeit in Pöchlarn mit ihrem Lehrer gesungen hatten. Das war aber schon lange her, sodass die Erinnerung an Text und Melodie kaum mehr vorhanden war.

Also fuhren die Brüder mit der Bahn nach Pöchlarn, um ihren Lehrer zu befragen bzw. nach Unterlagen zu suchen. Der mittlerweile sehr betagte Lehrer konnte aber mit seinen Erinnerungen auch nicht entscheidend weiterhelfen und Unterlagen zu Text und Melodie waren nicht vorhanden. So blieb den Beer-Brüdern nichts anderes übrig, als in der Erinnerung vorhandene Melodie- und Textstellen durch Eigenes zu ergänzen. Diese 1947 beim Scheibbser Dreikönigsritt erstmals dargebotene – und bis heute gesungene Version – wurde 1972 von Prof. Walter Deutsch niedergeschrieben und im Verzeichnis des Niederösterreichischen Volksliedwerks eingetragen.

Dass es überhaupt noch Erinnerungen an Melodie und Textstellen gab, ist einem Zufall zu verdanken. Wilhelm Beer diente im zweiten Weltkrieg als Matrose auf einem Kriegsschiff. Um bei den zu leistenden Wachdiensten im „Ausguck“ nachts nicht einzuschlafen, sang er Lieder. Die wiederum gefielen seinem Kapitän so gut, dass er Matrosen Beer des Öfteren zu sich rief um sich Lieder vorsingen zu lassen. Und, er bestand auf immer neue Lieder. So versuchte Wilhelm Beer das Lied „Mia san de drei König…“ mit eigenen Textzeilen zu ergänzen und dadurch blieb es weitgehend in seiner Erinnerung.

Der Dreikönigsritt zur mechanischen Krippe in der Stadtpfarrkirche

Von Weihnachten bis Maria Lichtmess zieht es die Besucher der Stadtpfarrkirche vor allem zur kostbaren mechanischen Krippe hin, die in einer Seitenkapelle aufgestellt ist. Sie wurde 1864 von einem Kapuzinermönch angefertigt. Von ihren 50 Figuren sind zehn beweglich. Das Werk wird mit einer großen Eisenkurbel aufgezogen, danach ertönt ein Glockenspiel und religiöse sowie weltliche Szenen wechseln in bunter Reihenfolge.

Am 6. Jänner ist diese wertvolle Krippe das Ziel der Heiligen Drei Könige. Der Ritt beginnt bei der Kapuzinerkirche und führt durch die Altstadt zur Stadtpfarrkirche. Kaspar, Melchior und Balthasar werden dabei von Fanfarenbläsern, als Hirten verkleideten Kindern und einem Reiter mit dem Stern begleitet. In gleicher Weise wie die Pferde macht auch das Mundart-Lied „Mir san die drei König aus dem Morgenland“, das die Weisen an den einzelnen Stationen anstimmen, den Scheibbser Dreikönigsritt zu einer Besonderheit.

Kinder sind eingeladen den Ritt als verkleidete Hirten zu begleiten – Treffpunkt ist alljährlich um 16.30 Uhr bei der Sportmittelschule Scheibbs.

Tipp: Zur süßen Abrundung eines Scheibbs-Ausfluges empfiehlt sich ein Abstecher in die Konditorei Reschinsky, wo nach mehr als hundertjähriger Tradition verschiedene Köstlichkeiten, wie zum Beispiel die weithin bekannten Scheibbser Kugeln erzeugt werden.

Die Scheibbser Stadtpfarrkirche

Der Rathausplatz im Zentrum der Stadt wird vom fast 60m hohen Turm der Stadtpfarrkirche überragt. Wegen seiner Größe trägt das der heiligen Maria Magdalena geweihte Gotteshaus auch die Bezeichnung „Dom der Erlauftales“. Im Inneren der Kirche dominiert die Architektur der Spätgotik.

Scheibbser Dreikönigsritt erhielt Kulturpreis 2015

Der Scheibbser Kulturpreis wird seit 1995 an Kulturschaffende in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur/Theater, Musik und Wissenschaft vergeben. Nach eingehenden Beratungen der amtierenden Kulturjury bestehend aus Judith McGregor, Wolfgang Ellmauer, Franz Schaufler, DI Dr. Christoph Leditznig, Christoph Eckel und Alexandra Woller wurde der Kulturpreis für das Jahr 2015 an den Scheibbser Dreikönigsritt – im speziellen an Alois Krenn sen., Alois Krenn jun., Andreas und Klemens Krenn, posthum an August und Hans Krenn vergeben.

Bei der Überreichung des Kulturpreises am Samstag, den 12. März 2016 im Rathaus Scheibbs durch Bürgermeisterin Christine Dünwald dankte die Stadtchefin der Familie Krenn für die Pflege dieser volkskulturellen Besonderheit und den jahrzehntelangen Einsatz. „Es stecken viel Vorarbeiten dahinter um den Dreikönigsritt Jahr für Jahr so toll über die Bühne gehen zu lassen. Auch ist noch nie ein Ritt wegen Krankheit oder sonstigen Gründen ausgefallen. Der Dreikönigsritt ist zu einem echten Bestandteil der weihnachtlichen Tage geworden und aus Scheibbs nicht mehr wegzudenken. Ich habe den Dreikönigsritt nun schon oftmals beiwohnen dürfen und es ist Jahr für Jahr ein ganz besonderes Erlebnis für mich! Dafür möchte ich der ganzen Familie Krenn ganz herzlich danken!“

 

Informationen zum Dreikönigsritt:

Alois, Andreas und Klemens Krenn, Organisation Dreikönigsritt

Dreikönigsweg 3, 3270 Scheibbs

Rückfragen an Andreas Krenn, T. 07482/9025 DW 38554, M. 0664/5779683

andreas.krenn@noel.gv.at

Tourismusinformation:

Kultur & Gästeservice der Stadtgemeinde Scheibbs

Tel. 07482/42511-63

kulturservice@scheibbs.gv.at

www.scheibbs.gv.at