Eine Wehrmauer umgrenzte und schützte die mittelalterliche Stadt.

Die Altstadt einst und heute

Im Mittelalter war Scheibbs von einer mächtigen Wehranlage umgeben. Von der Scheibbser Burg ausgehend errichtete man eine etwa tausend Meter lange und sechs Meter hohe Mauer mit vier Tortürmen - in jeder Himmelsrichtung ein Stadttor. Die Hauptstraße verband das nördliche und südliche Stadttor.

Der östliche Torturm ist heute noch erhalten – das Flecknertor ist eine Station der Altstadtrunde, die ein gutes Stück dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer folgt. Bei der Stadterhebung 1352 hatte Herzog Albrecht II. verfügt, dass der Markt Scheibbs „mit einer Mauer umbfangen“ werden solle und er sich dafür „-Statt-„ nennen dürfe“. 120 Jahren dauerte es, bis die Wehranlage mit insgesamt 13 Türmen vollendet war. 

Wehrmauer und Wassergraben

Im Osten und Norden baute man einen Wassergraben entlang der Wehrmauer, die Stadttore wurden jeweils mit Zugbrücken ausgestattet. Im Süden schützte der Schöllgraben die Stadt.

Entlang der Erlauf wurde die Stadtmauer direkt an der Böschung errichtet, man nutzte den Fluss als natürlichen Wehrgraben. Durch das westliche Stadttor kam man zu einer Furt durch die Erlauf - genau dort, wo heute die Stadtmole hinunter zum Wasser führt. Ganz in der Nähe konnte man den Fluss zu Fuß über den Sandsteg überqueren.

Die Stadt wächst

Als die Stadt zur großen Zeit des Eisen- und Provianthandels über ihre Mauern hinauswuchs, verlor die Befestigung an Bedeutung. Ab 1820 begann man, die Tore und Türme zu verkaufen, in der Folge wurden viele abgerissen. 1838 zählte Scheibbs 85 bürgerliche Häuser und 1008 Einwohner.

Die Erschließung des Tals durch die Erlauftalbahn 1877 war ein Meilenstein in der Stadtentwicklung: Scheibbs wurde zu einem beliebten Sommerfrische-Refugium. Am westseitigen Erlaufufer und rund um den Bahnhof entstand ein neuer Stadtteil mit Jugendstilvillen.

Brücken statt Mauern

Der Sandsteg und die schmale Töpperbrücke reichten nun nicht mehr als Verbindung zwischen dem alten und neuen Scheibbs: 1881 errichtete man die Ignaz-Höfinger-Brücke und befestigte das westseitige Flussufer – der Erlaufkai (heute Gaminger Straße) und die Erlafpromenade entstanden.

Im vergangenen Jahrhundert wurden weitere Brücken gebaut – insgesamt fünf Brücken führen heute im Stadtzentrum über die Erlauf. Scheibbs ist auf über 4200 Einwohner angewachsen.